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Wiki ist kein Papier

From Meta, a Wikimedia project coordination wiki

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Wikipedia ist kein Papier [1]

Obwohl die Wikipedia eine Enzyklopädie ist, ist sie nicht an die Beschränkungen einer gedruckten Enzyklopädie gebunden. Für Länge, Inhalt und Anzahl der Artikel gibt es in der Wikipedia so gut wie keine Grenzen. Mit dem Wachstum der Wikipedia wird auch zugleich auch immer mehr Rechenleistung, Speicherkapazität und Bandbreite verfügbar werden. Es ist nicht zu erwarten, dass die Wikipedia die zur Verfügung stehenden Ressourcen jemals ausschöpfen wird.

Der Wikipedia-Gründer Jimbo Wales wünschte sich, dass aus der Wikipedia nicht nur ein weiteres Diskussionsforum würde. In jedem Fall ist die Wikipedia aber etwas anderes als eine auf Papier gedruckte Enzyklopädie und die Wikipedianer sollten die Möglichkeiten des digitalen Mediums nutzen.

Keine Beschränkung der Größe

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Der offensichtlichste Unterschied ist, dass es im Wikipedia-Universum im Prinzip keine Beschränkungen der Größe gibt. Wollte man beispielsweise alles verfügbare Wissen über das Nashorn in einem Text zusammenfassen, könnte der Umfang durchaus 100 Seiten erreichen, genug für ein eigenes Buch. Ein solch ausführlicher Text über ein einzelnes Tier könnte in einer gedruckten Enzyklopädie nicht veröffentlicht werden. Aus Platzgründen sind im Brockhaus beispielsweise nur wenige Zeilen über das Nashorn zu finden, ebenso wie über die meisten anderen Themen.

Einfacher Text verbraucht fast keinen Speicherplatz. Wenn jedes Wort 7 Buchstaben hat, könnte eine 1 TB Festplatte zum Preis von 40 € etwa 150 Milliarden Wörter speichern. Das wären 18,75 Millionen Wörter pro Cent und Speicherplatz wird laufend billiger.

Die FAQ der Nupedia warnten zu Recht, dass man die Geduld der Leser nicht mit weitschweifiger Prosa strapazieren solle. Aber detaillierte Unterthemen und Untergliederungen bereichern die Wikipedia inhaltlich. Es gibt keinen Grund, warum es nicht für jede Figur der Simpsons einen eigenen Artikel geben sollte. Ebenso könnte es zusätzlich zum Haupt-Artikel einen Listen-Artikel aller gesendeten Episoden geben, jeweils mit nützlichen Verlinkungen untereinander sowie externen Links auf Kritiken und weiterführende Informationen versehen. Genauso kann auch jede Tier- und Pflanzenart und jede der über 100 Varianten des Poker-Spiels eine eigene Seite erhalten, jeweils mit Regeln, Geschichte und Spielstrategien. Jimbo Wales sagte bereits 2007: „Festplatten sind billig.“[2][3]

Jedes enzyklopädische Thema sollte in der Wikipedia in all seiner Tiefe abgebildet werden. Andererseits ist die Wikipedia kein Sammelbecken für sämtliche Informationen, die der Menschheit zur Verfügung stehen. Insbesondere nicht, wenn diese Informationen bereits im Internet in gut aufbereiteter und aktueller Form zur Verfügung stehen, wie es beispielsweise bei Eisenbahn-Fahrplänen und Sport-Ergebnissen der Fall ist.

Natürlich ist Wikipedia nicht das Internet und das Internet ist nicht Wikipedia. Inhalte des Internets zum Zweck von Werbung, Handel, Selbstdarstellung, Meinungsäußerung, künstlerischem Ausdruck, Pornografie und vielem Anderen passen nicht zu einer Enzyklopädie, selbst wenn diese so grenzenlos ist wie die Wikipedia.

Aufbau eines Wikis

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Natürlich ist eine hundertseitige Abhandlung über Nashörner nutzlos für jemanden, der nur wissen möchte, wo diese leben. Der Zweck einer herkömmlichen Enzyklopädie ist es, dem Leser einen kurzen Überblick über das Thema zu geben. Dagegen befassen sich Lehrbücher oder spezialisierte Lexika mit den Details.

Wikipedia kann beides. Da Wikipedia nicht auf Papier gedruckt ist, kann sie einen zusammenfassenden Überblick über alle denkbaren Themen geben und zusätzlich auch umfassende Details über jedes einzelne Thema bereitstellen, jeweils bequem verlinkt, kategorisiert und per Volltext-Suche auffindbar.

Struktur

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Der Schlüssel zur Vermeidung von w:de:Informationsüberflutung liegt in der Gliederung des Artikels in Abschnitte und Unterabschnitte. Wenn ein Abschnitt sich thematisch zu weit vom Artikelgegenstand entfernt, kann es sinnvoll sein, einen Artikel auf mehrere Seiten aufzuteilen. Zu viele kleine Unterartikel sollten jedoch nicht angelegt werden, damit Zusammenhänge nicht verlorengehen.

Der Artikel Poker könnte beispielsweise aufgeteilt werden in einen überschaubaren Grundlagenartikel (Größe z.B. ~30 KB), der per Link auf die Unterartikel „Geschichte des Poker“, „Heutige Verbreitung von Poker“ und einzelne Spielvarianten verweist.

Neue Artikel leiten sich oft aus den Abschnittsüberschriften eines längeren Artikels ab. Die Aufteilung macht den Hauptartikel übersichtlicher, erschwert es aber, sich einen Überblick über einzelne Aspekte zu verschaffen und zwischen Textpassagen zu springen, um Inhalte abzugleichen und gedanklich miteinander zu verknüpfen. Ein guter Artikel behandelt ein Thema umfassend. Vor der Neuanlage eines Artikels über ein Nischenthema sollte geprüft werden, ob sich die Inhalte nicht sinnvoll an einen bestehenden Artikel integrieren lassen. Eine Aufteilung des Artikels w:de:Nashorn in w:de:Breitmaulnashorn und w:de:Spitzmaulnashorn erschwert es beispielsweise, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Arten festzustellen.

Das Auffinden von Einzelaspekten über die Suchfunktion wird vereinfacht, indem Weiterleitungen vom Suchbegriff zum Übersichtsartikel oder auf dessen Unterabschnitte angelegt werden.

Siehe auch die Richtlinien Artikel und Wie schreibe ich gute Artikel

Gestaltung – Lesen am Bildschirm

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Manche Gestaltungsrichtlinien lassen sich nicht unmittelbar vom Papier auf die Wikipedia übertragen. Jimbo Wales sagt, dass Wikipedia ihre eigenen Standards braucht und dass diese sich im Laufe eines evolutionären Prozesses herausbilden werden. Er sagte: "Und natürlich bedeutet der offene Charakter der Software, dass Standards nur in dem Umfang durchgesetzt werden können, wie wir als Autoren sie durchsetzen wollen.[4]

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Siehe Richtlinie: Verlinken

Beispielsweise empfiehlt das CMS (Chicago Manual of Style (en)) dem Autor oder Redakteur, die erste Verwendung einer Abkürzung im Text mit einer kurzen Erklärung zu ergänzen (wie oben am Beispiel "CMS" vorgeführt). Fachbegriffe können ähnlich behandelt werden. Dieser Umgang ist auf Papier sehr sinnvoll. Falls ein Artikel ein sehr spezielles Thema erwähnt oder eine Abkürzung oder einen Fachbegriff, könnte der Leser mehr darüber wissen wollen. Die voll ausgeschriebene Bezeichnung oder eine kurzer Querverweis wird ihm bei der Suche helfen. Aber die Wikipedia hat etwas noch Besseres zu bieten als eine kurze Umschreibung in Klammern: einen elektronischen Verweis (Link) auf eine gründliche Abhandlung des Themas.

Beispiel für Papier-orientierten Schreibstil:

It is unclear if IBM's code page 437 (a character code set)
was based on the VT-220 terminal (a computer input/output
device) of DEC (Digital Equipment Corporation), or if the
reverse was the case.

Der gleiche Text im Wikipediastil mit Links:

It is unclear if IBM's code page 437 was based on the VT220 terminal
of DEC, or if the reverse was the case.

Farbe, Bewegung, Interaktion

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Siehe Richtlinie: Artikel illustrieren

Entsprechend lässt sich im Web Farbe problemlos einsetzen, und fast jeder kann sie nutzen. Auf Papier ist farbig Drucken teuer und deswegen wird Farbe im Papierverlag eher sparsam verwendet. Wikipedia sollte die Möglichkeiten nutzen, insbesondere bei illustrierenden Diagrammen und bei Fotos.

Animation und Interaktion sind auf Papier fast unmöglich. In der Wikipedia sind dagegen animierte GIF-Bilder und HTML-Interaktion ziemlich einfach zu platzieren. Sie sind äußerst wertvoll zur Erklärung von dynamischen Vorgängen. Andererseits sollte man die Demos nicht zu aufwändig oder plattform-spezifisch implementieren. Standards für die angemessene Verwendung von Techniken werden sich herausbilden, sobald Animationen und Interaktionen weiter verbreitet sind.

Benutzbarkeit

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Siehe Richtlinie: Wie schreibe ich gute Artikel, Wie sehen gute Artikel aus, Verlinken

Obwohl mit zunehmender Popularität des World-Wide-Web sich immer mehr Menschen an die Lektüre von Text auf einem Bildschirm gewöhnen, ist es allgemein anerkannt, dass das Lesen am Bildschirm anstrengender ist als auf Papier.[5] Gelegentliche Web-Benutzer springen schnell zur nächsten Seite. Um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten, muss Wikipedia die erwartete Information möglichst schnell anbieten. Ein gut strukturierter, gut verlinkter Artikel macht genau das.

Daraus folgt, dass die Information in einem möglichst einfach zu benutzenden Format dargestellt wird. Wikipedianer sollten:

  • Listen als Listen formatieren.
  • Kurze Absätze schreiben, mit einem Gedanken pro Absatz.
  • Einfache Sprache in kurzen Sätzen verwenden.
  • Überschriften und eine (max. 2) Überschriftsebenen nutzen.
  • Viele und relevante, aber nicht zu viele Links verwenden und sie mit sinnvollem Text bezeichnen.

Obwohl es keine Beschränkungen gibt, wie viele Links man in einem Artikel angeben kann, sollte man den gesunden Menschenverstand walten lassen. :-) Also nicht jedes Wort in einem Satz verlinken. Und nicht jedes Vorkommen desselben Wortes im Text verlinken. Sondern nur Wörter, deren Link direkt etwas Weiterführendes über das Artikelthema aussagt. Fachbegriffe sollen deutsch geschrieben werden (nicht fachchinesisch und dann im verlinkten Artikel übersetzt).

Zeit – Die Wikipedia ändert sich laufend

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Jimbo Wales empfiehlt, in einer zeitlosen Form zu schreiben, damit die Artikel würdig altern können.[6] Dennoch erlaubt es die Wikipedia ihren Lesern, Inhalte zu überarbeiten, die veraltet sind oder mehr Details brauchen. Auf diese Weise können aus kurzen Übersichten lange Abhandlungen werden (die natürlich immer noch mit einer kurzen Übersicht beginnen sollten).

Artikelalter nicht offensichtlich

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Siehe Richtlinie: Wie schreibe ich gute Artikel, Datumskonventionen

Artikel in einer Papier-Enzyklopädie werden alle ungefähr zur gleichen Zeit zusammengestellt und gedruckt. Und eine Artikelreihe wird in der Regel auf einmal durch eine neue Fassung ersetzt. Aber bei Wikipedia-Artikeln kann der Autor nicht davon ausgehen, dass der Leser den historischen Kontext kennt, in dem der Artikel geschrieben worden ist, oder die Version von anderen Artikeln, auf die er sich bezieht.

Also müssen Wikipedianer sich die Mühe machen, sich vorzustellen, wie ein Artikel auf einen Leser wirkt, nachdem sich die verlinkten Artikel geändert haben. Das ist einer der seltenen Fälle, dass ein Wiki komplizierter ist als Papier. Nicht nur eine Liste der kürzlich verstorbenen Prominenten wird laufend umgeschrieben werden müssen, sobald die Todestage nicht mehr „kürzlich“ sind, sondern auch jeder Artikel, der sich auf diese Liste bezieht, weil eine bestimmte Person kürzlich verstorben ist.

Die allgemeine Empfehlung ist, zeitneutral zu schreiben. Daraus ergibt sich, dass Wikipedianer nicht „heute“ oder „kürzlich“ schreiben sollten (noch weniger als Papierenzyklopädisten). Sie sollten absolute Zeitangaben machen, wenn der Zeitpunkt wichtig ist, und ansonsten Zeitangaben vermeiden, wenn sie nicht unbedingt nötig sind.

Zeitnahes Schreiben

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Entsprechend sagte Jimbo Wales, dass es in der Wikipedia sehr schnell einen Artikel zu einem brandaktuellen Thema gibt, das einige Leute plötzlich interessant finden.[7] Falls etwas Wichtiges im, sagen wir, Irak passiert, dann können Wikipedianer einen Artikel über den Irak anlegen oder, falls er schon existiert, den Artikel aktualisieren und auf der Wikipedia-Homepage verlinken. Wikipedia-Mitbegründer Larry Sanger hebt hervor, dass diese Art der Hintergrundinformation über Menschen und Orte bei laufenden Ereignissen oft wichtiger ist als die laufenden Ereignisse selbst.[8]

Gemeinschaft

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Die Wikipedia ist außerdem das Gemeinschaftswerk von all jenen, die etwas beizutragen haben. Deswegen hat die Wikipedia keinen „Autor“ im traditionellen Sinn. Dies gibt allen Autoren die Freiheit, anderer Leute Arbeit umzuschreiben, umzustellen und zu ergänzen. Das führt meistens zu einem besseren Endergebnis.

Umwelt

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Die Auswirkungen der Wikipedia, wie des Internets im Allgemeinen, auf die Umwelt werden zunehmend kritisch gesehen. Die Tatsache, dass das Internet ähnlich viel Energie verbraucht wie der weltweite Luftverkehr, zeigt, dass es nichts ohne Preis gibt. Dennoch: Es ist sicher ein Fortschritt, eine umfassende Enzyklopädie zu haben, die umfangreicher ist als jede je gedruckte. Wikipedia ist längst den Kinderschuhen entwachsen und braucht den Vergleich mit großen gedruckten Enzyklopädien nicht zu scheuen. So darf wohl festgestellt werden: Seit es Wikipedia gibt, wurden zum Lexikondruck viele Bäume weniger gefällt als zuvor.

Wikipedia auf Papier

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Unbeschadet des Gesagten ist es natürlich erlaubt, Auszüge aus der Wikipedia zu einem Thema zu bündeln und für den Druck zu editieren: siehe WikiReader und WikiPress.

Quellen

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  1. Wiki ist ein elektronisches Medium. Dieser Text entstand aus einer Übersetzung von Wiki is not paper (Stand 25. Mai 2006 11:19). Im November 2025 teilweise nach der aktuellen englischen Version neu übersetzt.
  2. Beitrag von Jimbo Wales in einer älteren Version von w:en:Importance.
  3. Tweney, Dylan (2007-05-29). "Wikipedia Is Just the Start: An Interview With Jimmy Wales". Wired. Archived from the original on 2019-10-29. Retrieved 2021-02-11. 
  4. "And of course, the open nature of the software means that enforcement only comes to the extent that we authors care to enforce it." Zitiert nach Wiki is not paper (Stand 25. Mai 2006 11:19).
  5. Quelle fehlt.
  6. Quelle fehlt.
  7. Quelle fehlt.
  8. Quelle fehlt.

Siehe auch

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