Wikipedia meets Brockhaus

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Abstract:

On 1 July 2004, some Wikipedians met with representatives of the business unit for new media of the Brockhaus company, Germany's largest and best-known producer of high-quality encyclopedias. This meeting was the result of email communication after the discovery of a copyright violation: a list of article titles from Brockhaus had been uploaded to Wikipedia. The aim of the meeting was to get to know each other and to share thoughts about each other.

Please use babelfish until someone translates the report of this historical event.

Die Wikipedianer vor dem BIFAB-Verwaltungssitz

Wie sich zumindest zu einigen von Euch bereits herumgesprochen haben sollte, bestehen seit einiger Zeit informelle Kontakte zwischen deutschsprachigen Wikipedianern und dem Brockhaus. Der bisherige Höhepunkt war am 1. Juli 2004 ein Besuch von einigen Wikipedianern in der Mannheimer Zentrale der Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (BIFAB).

Der Anlass für die Kontaktaufnahme im April 2004 war wenig erfreulich: Ein Benutzer hatte systematisch einen fast vollständigen Auszug der Artikelnamen des Brockhauses aus deren Onlineauftritt extrahiert und diese in die Wikipedia eingestellt. In einer freundlichen E-Mail an info@wikipedia.de machte Bernd Kreissig, Geschäftsführer der Brockhaus Duden Neue Medien GmbH (BDNM), auf diese Urheberrechtsverletzung aufmerksam. Innerhalb weniger Minuten wurde die entsprechende Seite gelöscht und mit der Formulierung einer Antwort begonnen.

In der Folge dieser Kontaktaufnahme wurden mehrere E-Mails ausgetauscht, in denen die Idee aufkam, sich einmal persönlich kennenzulernen. Erster Schritt war die Anwesenheit des Produktmanagers Björn Hoffmann auf der WOS3 in Berlin. Doch in diesem Rahmen ergab sich leider keine Möglichkeit, für ein längeres persönliches Gespräch (Randnotiz für spätere historische Abhandlungen: nach derzeitigem Kenntnisstand, fand der erste persönliche Kontakt zwischen einem Wikipedianer und einem Mitarbeiter der BIFAB zwischen Björn Hoffmann und Erik Möller statt).

Bereits vor der WOS wurden die am Mailwechsel beteiligten Wikipedianer von Bernd Kreissig nach Mannheim eingeladen. Und so machten sich am 1. Juli 2004 elian, kurt, akl, sansculotte und presroi auf den Weg nach Mannheim. Empfangen wurden wir von einer unerwartet großen Runde von Mitarbeitern der BDNM. Als Warm-up führte der Weg zunächst in die Kantine, wo es nach dem Mittagessen auch das schon per E-Mail angekündigte Eis gab. Schon hier zeigte sich, dass unsere Hoffnung auf eine unverkrampfte Gesprächsatmosphäre nicht enttäuscht werden sollte.

Anschließend führte der Weg durch einen engen kahlen Gang mit schweren Feuerschutztüren (für einen kurzen Moment schwirrte der Gedanke durch einige Köpfe, der freundliche Empfang könnte ein Trick gewesen sein, um uns leichter in einem dunklen Verließ einzusperren, wo wir bei Wasser und Brot und fernab der Wikipedia unser weiteres Dasein fristen sollten) in einen deutlich freundlicheren Konferenzraum. Dort warteten bereits weitere interessierte BDNM-Mitarbeiter auf uns. Insgesamt waren es nun neun Brockipedianer, die ähnlich gespannt auf den weiteren Verlauf des Tages schienen wie wir.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde folgte ein neugieriges und nicht unkritisches Beschnuppern zwischen Wikipedianern und Brockhäusern. In diesem Rahmen kam auch die Frage auf, ob wir denn nicht Brockhaus als Feindbild hätten (schließlich sei die OpenSource-Gemeinde ja auch gegen Microsoft). Es gibt nirgendwo in der Wikipedia eine ausformulierte Position dazu (wozu auch), aber es wäre dabei doch einmal spannend zu erfahren, ob unsere Einschätzung, dass wir Brockhaus als Messlatte ansehen und uns in einem sportlichen Wettbewerb sehen, auf Anmerkungen, Zustimmung oder Ablehnung stößt.

Neben solchen grundsätzlichen Fragen der gegenseitigen Wahrnehmung wurde auch auf verschiedene Detailfragen zu den Konzepten und Arbeitsweisen eingegangen. Dabei stellte sich heraus, dass die Arbeitsweise bei Brockhaus und Wikipedia manchmal gar nicht so unterschiedlich sind. Einen Kriterienkatalog zur Aufnahme von Biographien, wie ihn manche sich für Wikipedia wünschen, gibt es auch beim Brockhaus nicht. „Die Person sollte bereits gestorben sein“, meinte ein alter Hase aus der Redaktion zur Vorgehensweise bei der Druckausgabe. Doch Zweifelsfälle gebe es immer noch genug.

Die Wikipedia ist übrigens nicht erst seit kurzem auf dem Radarschirm des Brockhaus. Einige Mitarbeiter verfolgen ihre Entwicklung bereits von Anfang an - noch bevor es die deutschsprachige Ausgabe überhaupt gab und viel länger, als die meisten anwesenden Wikipedianer sie kennen. Dieses Interesse hat nicht nachgelassen und bei einigen Brockhäusern lagen etwa die Artikel von Torsten Kleinz in der aktuellen c't auf dem Tisch.

Natürlich interessierte uns auch die praktische Arbeit der Redakteure. Diese Neugier wurde mit einer Präsentation des Redaktionssystems (nein, es ist kein wiki) befriedigt (ja, sie haben dort auch eine Löschkandidatenliste). Obendrein berichtete ein altgedienter Mitarbeiter, der selbst an der 19. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie mitgearbeitet hatte, über frühere Produktionsmethoden („Jugendsünden“ etwa beim Buchstaben A, die sich dann einige Jahre später bei Z bemerkbar machen.).

Techniker hätten dort auch ihren Spaß. Das Redaktionssystem läuft unter Solaris, das über X11 über Terminalserver auf IGEL-thin clients gepackt wird. Die Textsyntax in den Artikeln geschieht über SGML mit Artikelformatvorlagen (Biographie, Stadt, etc) und Textauszeichnung etwa von Sterbedaten. An einigen Stellen ist es genau das hardgecoded, was im wiki „einfach so“ gemacht wird.

BDNM erscheint als relativ progressiver Teil innerhalb der BIFAB und man kann dort auf sich halten, einige sehr spannende Projekte (xipolis und die elektronischen Produkte) bei sich zu haben. Im heute.de-Beitrag kommt Kreissig wesentlich offener zu Wort als etwa Klaus Holoch, der bei der BIFAB die Pressearbeit macht. Gleichermaßen hat man auch dort einen reichen Schatz an Erfahrungen, wie viele Moden schon gekommen sind und den Tanker Brockhaus nicht stoppen konnten (Fischer Lexikon, Data Becker Lexikon, Encarta). Es gibt bisher keine Hinweise, daß da jetzt Wikipedia so die große Ausnahme ist.

Alles in allem war es ein sehr spannender Nachmittag. Besonders gefreut hat uns der freundliche Umgang, obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Wikipedia zumindest auf lange Sicht zu einer Konkurrenz für den Brockhaus werden kann (wenn sie es nicht teilweise heute schon ist). Es bleibt zu hoffen, dass dennoch auch in Zukunft ein solch sportlicher und fairer Umgang miteinander möglich sein wird.